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CUREosity erklärt: Querschnittlähmung – Definition, Ursachen, Folgen

Als neuen Beitrag aus der Reihe „CUREosity erklärt“ behandeln wir das Thema „Querschnittlähmung“. In diesem ersten von zwei Blogbeiträgen werden wir Definition, Ursachen und Folgen näher beleuchten. Was bedeutet eine Querschnittlähmung? Was ist der Unterschied zwischen einer kompletten und einer inkompletten Querschnittlähmung? Diese und weitere Fragen werden wir in diesem Blogbeitrag für Sie beantworten.


Was ist eine Querschnittlähmung?

Unser Gehirn ist für die Steuerung der Motorik (Bewegung), Sensorik (Wahrnehmung) sowie die Aufrechterhaltung interner Organfunktionen, wie etwa von Blase und Darm, verantwortlich. Über die Nervenbahnen innerhalb des Rückenmarks ist es mit dem Rumpf sowie den oberen und unteren Extremitäten verbunden.


Wird die Verbindung unterbrochen, kann es zu einer Störung oder einem Ausfall der motorischen, sensorischen und vegetativen Funktionalitäten kommen. Die Querschnittlähmung ist also die Folge einer Schädigung des Rückenmarks. Das Rückenmark (Medulla spinalis) ist ein Teil des zentralen Nervensystems (ZNS) und verläuft innerhalb der Wirbelsäule im Spinalkanal. Hier befinden sich unter anderem die Nervenfasern des ZNS und der Liquor (Gehirn-Rückenmarksflüssigkeit), der beispielsweise den Stoffwechsel der Nervenzellen unterstützt und als Schutz des Gehirns dient.


Zentrales und peripheres Nevensystem

Neben dem zentralen Nervensystem gibt es das periphere (äußere) Nervensystem. Dieses lässt sich in das somatische und das autonome Nervensystem aufteilen. Das somatische Nervensystem dient zur Reizweiterleitung in die Muskeln und zur Weiterleitung von sensorischen Reizen zum ZNS. Ein Ausfall führt zur Lähmung von Extremitäten und zum Informationsmangel im Gehirn. Das autonome Nervensystem steuert und regelt innere Körperfunktionen automatisch, ohne dass der Mensch darauf bewusst oder willentlich Einfluss nehmen kann. Dazu gehört etwa der Herzschlag, der Blutdruck oder das Schwitzen.


Ursachen der Querschnittlähmung

Das Rückenmark kann auf unterschiedliche Art und Weise verletzt werden. Die Zahl der Arbeitsunfälle geht durch gute Präventionsangebote der Berufsgenossenschaften weiter zurück, jedoch steigt die Zahl der Querschnittlähmungen durch Unfälle in der Freizeit.

Meistens wird das Rückenmark durch mechanische Krafteinwirkungen in Folge eines Unfalles geschädigt. Dabei verschieben sich Wirbelkörper und quetschen das Rückenmark ein. Außerdem können Gewebeschwellungen oder Blutergüsse das Rückenmark schädigen. Selbst wenn die akute Verletzung verheilt ist, sind die ursprünglichen Verbindungen unterbrochen und lassen sich nicht wiederherstellen. Auch bei ungünstigen Verläufen eines Bandscheibenvorfalles kann es zu Lähmungen kommen, wenn durch den Druck der Bandscheibe auf das Rückenmark nicht nur einzelne Muskeln gelähmt werden, sondern das Rückenmark komplett abgedrückt wird. Neben Krafteinwirkungen kann das Rückenmark auch durch Krankheiten des umliegenden Gewebes beeinflusst werden, beispielsweise durch Tumore, Infektionen und Erkrankungen von Gefäßen (u.a. Schlaganfall, Multiple Sklerose).





Folgen einer Querschnittlähmung

Vordergründig wird die Querschnittlähmung mit einem Leben im Rollstuhl assoziiert, also dem Verlust der Steh- und Gehfähigkeit. Doch die Lebensqualität der Betroffenen wird oft durch Begleiterscheinungen beeinträchtigt, die für Außenstehende nicht sichtbar sind.

Neben Lähmung oder Sensibilitätsausfällen können ebenfalls die Funktionen von Darm und Blase betroffen sein. Dadurch wird z.B. das lebenslange Katheterisieren erforderlich. Auch die Sexualität kann bei einer Querschnittlähmung beeinträchtigt werden.


Vegetative Dysfunktionen

Außerdem treten vegetative Dysfunktionen ein, sodass Kreislauf und Temperaturausgleich in ihrer Funktion gestört sind. Langfristig haben Querschnittgelähmte mit Dekubiti (Druckstellen) und Skoliosen (Verformung der Wirbelsäule) sowie Kontrakturen (Verformung der Gliedmaßen) zu kämpfen. Hohe Querschnitte können zu Atemfunktionsstörungen führen.


Paraplegie und Tetraplegie

Die Höhe der Schädigung, auch Läsionshöhe genannt, hat einen Einfluss auf das Ausmaß der Beeinträchtigung. Lähmungen unterhalb des ersten Brustwirbels, bei der die Beine und der Rumpf betroffen sind, bezeichnet man als Paraplegie. Bei einer höherliegenden Schädigung ab Höhe der Halswirbel spricht man von einer Tetraplegie – alle vier Extremitäten von Armen und Beinen sind in ihrer Funktion gestört. Außerdem müssen Tetraplegie-Patienten häufig künstlich beatmet werden, da auch die Atemmuskulatur betroffen ist.


Die Lähmungen werden heute nach den Kriterien der ASIA (American Spinal Injury Association) in 5 Kategorien von A-E eingeteilt.


Mit der Visualisierung von paraplegie.ch erhalten Sie einen Überblick über die Auswirkungen einer Querschnittlähmung auf Muskeln und Organe. Auf der Seite von der-querschnitt.de finden sich zudem weitere interessante Informationen zu den Folgen der Querschnittlähmung.


Komplette und inkomplette Querschnittlähmung

Man unterscheidet zwischen einer kompletten Querschnittlähmung und einer inkompletten Querschnittlähmung. Als komplett bezeichnet man eine solche Lähmung, bei der weder motorische noch sensorische Funktionen vorhanden sind. Inkomplett Querschnittgelähmte haben noch eine gewisse motorische und sensorische Aktivität unterhalb der Läsionshöhe.


Leben mit Querschnittlähmung

Eine Querschnittlähmung bedeutet für die Betroffenen, oft aber auch für die Angehörigen eine komplette Veränderung der Lebensumstände. Sowohl das Wohn- als auch das Arbeitsumfeld müssen behindertengerecht gestaltet werden, um den neuen Anforderungen zu entsprechen.


Daher bedeutet eine Querschnittlähmung für die Patienten nicht nur eine Einschränkung hinsichtlich der körperlichen Funktionen. Es muss auch ein psychologischer Verarbeitungsprozess bewältigt werden, um mit den neuen Herausforderungen des Alltags zurechtzukommen.


Es besteht meist ein lebenslanger Therapiebedarf, um Fähigkeiten neu zu erlernen, zu erhalten und um Folgekomplikationen zu minimieren.


Auf dieser Seite der Universität Heidelberg findet sich ein hilfreicher Ratgeber, der sich mit den Fragen, mit denen sich Querschnittgelähmte auseinandersetzen müssen, beschäftigt.


Ziel der Therapie für Querschnittlähmung

Das Ziel der Therapie für Patienten mit Querschnittlähmung ist es, ein höchstmögliches Maß an Lebensqualität und Selbstständigkeit für Patienten zu bewirken. Schon geringfügige Verbesserungen der motorischen Fähigkeiten können einen großen Unterschied im alltäglichen Leben der Betroffenen erzielen.


Querschnittlähmung verstehen

Das Schweizer Paraplegiker-Zentrums (SPZ) in Nottwil leistet bemerkenswerte Arbeit auf dem Gebiet der Querschnittforschung und -behandlung und gilt als führendes Institut im Bereich der Querschnitt-, Rücken- und Beatmungsmedizin. Diese ausführliche Informationsseite des SPZ wurde u.a. auch für diesen Artikel als Quelle herangezogen.

Zudem können sich Patienten bei Magazinen oder Verbänden Rat holen. Der-Querschnitt.de ist ein Onlinemagazin der Manfred-Sauer-Stiftung, das Wissenswertes und aktuelle Themen für Paraplegiker aufbereitet und zur Verfügung stellt. Die Deutschsprachige Medizinische Gesellschaft für Paraplegiologie e.V. (DMGP) bietet ebenfalls ein breites Spektrum an

Informationen rund um Paraplegie.

Zusammenfassung des Beitrags

  • Das Gehirn ist für die Steuerung der Motorik (Bewegung), Sensorik (Wahrnehmung) sowie die Aufrechterhaltung interner Organfunktionen verantwortlich

  • Über die Nervenbahnen innerhalb des Rückenmarks ist das Gehirn mit dem Rumpf sowie den oberen und unteren Extremitäten verbunden

  • Wird die Verbindung unterbrochen, kann es zu einer Störung oder einem Ausfall der motorischen, sensorischen und vegetativen Funktionalitäten kommen

  • Meistens wird das Rückenmark durch mechanische Krafteinwirkungen in Folge eines Unfalles geschädigt

  • Das Rückenmark kann auch durch Krankheiten des umliegenden Gewebes beeinflusst werden, beispielsweise durch Tumore, Infektionen und Erkrankungen von Gefäßen

  • Neben dem Verlust der Steh- und Gehfähigkeit sind die psychologischen Folgen nicht zu unterschätzen

  • Lähmungen unterhalb des ersten Brustwirbels, bei der die Beine und der Rumpf betroffen sind, bezeichnet man als Paraplegie

  • Bei einer höherliegenden Schädigung ab Höhe der Halswirbel spricht man von einer Tetraplegie – alle vier Extremitäten von Armen und Beinen sind in ihrer Funktion gestört

  • Es wird zwischen kompletter (weder motorische noch sensorische Funktionen vorhanden) und inkompletter (gewisse motorische und sensorische Aktivitäten vorhanden) Querschnittlähmung unterschieden


Im nächsten Beitrag von „CUREosity erklärt: Querschnittlähmung“ werden wir unter anderem auf folgende Fragen eingehen:

  • Ist eine Querschnittlähmung heilbar?

  • Welche Therapiemöglichkeiten gibt und wie ist der Stand der Forschung?

  • Wie kann CUREO für die Querschnitttherapie eingesetzt werden?

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